Meine Begeisterung für die
 Form liegt in ihrer Theorie 
 – 
 in dem was sie bedingt, in der
 Geschichte, die sie erzählt. 

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L'éntendoir no 13

Lost in Translation
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Eine Kochperformance des Studiengangs Master of Arts in Creative Direction für die Werkschau im Juli 2012.

Ein Effekt der Globalisierung ist das vermehrte Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen und Identitäten. Immigranten, Exilanten und Touristen bereisen die Welt, schreiben ihre Geschichte, tauschen sie aus und tragen sie weiter. Als Reisende sind sie Übersetzer im Austausch der Kulturen. »Sie bringen dir, was in einer anderen Sprache als deiner gesagt wurde.«

Beim Essen erleben und genießen wir die kulturelle Vielfalt losgelöst von Zeit und Raum. Gemeinsam kochen und essen wir, treten in eine Beziehung zueinander sowie zu anderen Kulturen, werden selbst Übersetzer im Raum der Diversität. Um mit unseren Gästen den Akt der Übersetzung zu erleben, luden wir sie ein, sich gemeinsam mit uns einen interkulturellen und individuellen Nudelsalat zusammenzustellen.

Hintergrundinformationen /////

Nicolas Bourriaud, Kunstkritiker und Kurator, beschreibt in seinem Buch »Radikant«, die Altermodernität, in der wir heute laut ihm leben. Die Altermodernität beschreibt die 2. Moderne, die an den guten Ideen der Ersten ansetzt. Während in der Moderne die westliche Welt das Zentrum ist, das die Inklusions- und Exklusionsmechanismen festlegt, erlebt sie, wie sie nun als Zentrum verschwindet und sich die Peripherie emanzipiert.

Nach einer radikalen Moderne, einer anerkennenden Postmoderne folgt nun die Altermodernität, deren Hauptprotagonisten die Radikanten sind. Der Begriff »radikal« kommt aus dem lateinischen und leitet sich von »Radix«, der Wurzel ab. Radikant bedeutet hingegen, dass beispielsweise eine Pflanze, wie die Erdbeere, mehrere Wurzeln ausbilden kann. Radikanten sind somit nicht auf ihre ursprüngliche Identität festgelegt, sie reisen durch die Kulturen und bilden immer wieder neue Wurzeln aus, die die bestehenden ergänzen. Somit hat jeder die Möglichkeit mehrere Identitäten zu haben.

Nun stellt sich die Frage, wie wir mit dem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen umgehen. Hierbei gibt es zwei schlechte Lösungen: den »Clash of Cultures«, was eine kämpferische Auseinandersetzung bedeuten würde oder die »Confluence of Cultures«, was eine Vermischung aller Kulturen mit sich bringt. Bourriaud schlägt hier den Weg der Übersetzung vor. Ziel ist es, auf einer Ebene in einen Austausch, also in Relation zu treten. Dies geschieht mit dem Wissen, dass es nicht die eine Geschichte, die eine Wahrheit gibt, sondern jede Kultur ihre eigene Geschichte hat, die es wert ist anzuhören, zu hinterfragen und zu verstehen. Ziel ist es nicht zu unterdrücken, aber auch nicht anzuerkennen, sondern einen ebenbürtigen Austausch zu pflegen.

Um all dies mit unseren Gästen zu teilen und mit ihnen in einen Dialog zu treten, entschieden wir uns, dies während dem gemeinsamen Akt des Essens zu tun. Die Gäste konnten sich einen interkulturellen Nudelsalat zusammenstellen. Die Nudeln fertigten wir selbst an, sie sind die Negativform der an der Wand hängenden Nudelbanner, auf denen in mehreren Sprachen das Zitat »Ich bringe dir, was in einer anderen Sprache als deiner gesagt wurde«, stand. Der Nudelteig spiegelt hier die Zerbrechlichkeit der Übersetzung wider. Während der Übertragung eines Inhaltes von einer Sprache in die andere können wesentliche Fragmente verloren gehen. Es gilt also behutsam mit diesem Prozess umzugehen und anzunehmen, dass an entstandenen Bruchstellen Neues entsteht.

Das Team: Thomas Bahr, Bettina Blei, Ana Chavez, Katharina Fischer, Ana Gatzionis, Georgia Gaye, Stefanie Katz, Julia Krayer, Lisa Langmantel, Ulrich Liesch, Julia Obermeier, Livia Rayeck

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Mia

Meine intelligente Apotheke für eine gesunde Zukunft.
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Konzeption: Thomas Bahr, Georgia Gaye, Stefanie Katz, Lisa Langmantel, Livia Rayeck, 1. Sem MACD

Das Berufsbild des Apothekers hat eine weit zurückreichende Tradition, die sich im Laufe der Jahre sehr gewandelt hat. Während der Apotheker früher aufgrund seiner umfangreichen Kompetenzen ein hohes Ansehen genoss, beschränkt sich sein Tätigkeitsfeld heute zunehmend auf den Verkauf von industriell hergestellten, medizinischen Produkten. Das Wissen und die Fertigkeiten, die er sich aneignet, und die Vermittlung dieses Wissens, treten zum Leidwesen des Apothekers, in der Praxis in den Hintergrund. Seit kurzer Zeit dürfen Medikamente nun auch in Deutschland über das Internet vertrieben werden und Drogeriemärkte drängen sich zunehmend in den Apothekensektor. Diese Entwicklungen stellen die Apotheken vor die Frage, wie sie sich in der Zukunft behaupten und neu positionieren können.

»Mia« ist ein Gesundheitszentrum, das den Apotheker und seine Kernkompetenzen in den Mittelpunkt des Gesundheitswesens stellt und somit nicht nur dem Apotheker sein Ansehen zurückgibt, sondern auch darauf reagiert, dass Natürlichkeit und Gesundheit wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen rücken. Mia weiß Altbewährtes zu vermitteln und immer auf dem neuesten Stand zu sein. Sie ist ein Kernkompetenzzentrum, in dem sich viele Spezialisten um den Apotheker ansiedeln, um gemeinsam ein Netzwerk zu schaffen, das eine umfassende, vernetzte und preiswerte Betreuung garantiert und dadurch Kunden bindet. Gesund werden, gesund bleiben und Wohlfühlen sind Mias Kernaufgaben, mit dem Anspruch jeden Kunden individuell, persönlich und vielseitig zu betreuen. Durch ein intelligentes Raum-, Beratungs- und Kommunikationskonzept wird der Apotheker der Ursprung der Gesundheit und diese zu einem einzigartigen Erlebnis.
Mia – mein Raum für Gesundheit.

 

Raumkonzept:

Mia teilt sich grundsätzlich in drei Ebenen: gesund werden, gesund blieben, wohlfühlen.
Diese Ebenen unterteilen sich nochmals in die Unterebenen Apotheke, Beratung, Expresskasse [gesund werden], Netzwerk [gesund bleiben] und das Café sowie den Kräutergarten [Wohlfühlen]. Unabhängig von den drei Ebenen gibt es dann noch Mia online, auf der Webseite sind alle Unternehmen vertreten, die Teil von Mia sind.

Die Marke und ihre Submarken, die den Unterebenen entsprechen, gehören durch ihre Gestaltung eindeutig zueinander, können aber auch durch ihre visuelle Eigenständigkeit autonom agieren und dies auf der Webseite sowie über andere Kommunikationskanäle.

Die drei Ebenen im Detail:

1 | gesund werden: Apotheke und Expresskasse
Die Rezeptur des Apothekers bildet, als Atrium, das Zentrum des Gebäudes. Der Glaskubus symbolisiert den Ursprung der Gesundheit und ist von allen Ebenen sichtbar. Apotheke, Expresskasse und Rezeptur sind auf der ersten Ebene, mit dem Kernziel des Gesundwerdens. Die Expresskasse ist wie ein Kiosk einfach und schnell von draußen zu erreichen.

2 | gesund bleiben: Netzwerk
Hier kann der Apotheker über Expertenshops Produkte vertreiben und Räume an externe Dienstleister verpachten. Diese Ebene ähnelt einem Co-Working-Space.

3 | Wohlfühlen: Café und Kräutergarten
Auf dieser Ebene befindet sich ein Café mit anschließendem Kräutergarten, das einer sinnlich-natürlichen Erlebniswelt gleicht. Die Kinder tollen sich im Kletterpark, während die Erwachsenen sich austauschen und entspannen können. Der Kräutergarten lädt zum Lernen, Lehren und Entdecken ein.

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UnDing

Raum-
installation

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Diese Rauminstallation ist ein Gemeinschaftsprojekt des MACD-Kurses für die Werkschau in Pforzheim im Frühjahr 2012.

Wann ist Ding Ding und wann Unding – und wer entscheidet ob Ding Ding oder Unding ist?

Ob Produktdesigner, Architekt, Kommunikationsdesigner oder Modeschöpfer – allen Gestaltern ist gemein, dass sie mit Normen konfrontiert sind – diese annehmen oder ablehnen und dies im besten Fall abhängig von der Thematik, an der sie arbeiten.

Die Rauminstallation »UnDing« ist die Dokumentation einer Reihe von Diskussionen über Norm- und Formliebhaber, über Wirtschaftlichkeit, Benutzerfreundlichkeit, Originalität und Sinnhaftigkeit – kurz über Regeln, deren bewussten Bruch und die Entscheidung wann welche Seite zu wählen ist. Wir üben Kritik an denen, die allein Ding oder Unding preisen, fernab von Sinn, Authentizität und Inhalt der betreffenden Thematik.

Um die Betrachter dazu aufzufordern, vom Gewohnten abzuweichen, installierten wir mehrere Formen an den Wänden sowie im Raum. Die Formen sind so angebracht, dass sie nur von einem Standpunkt aus sinnvoll sind. Der Betrachter wandelt so durch den Raum und unternimmt einen ständigen Perspektivenwechsel auf der Suche nach der richtigen Form. Hiermit bringen wir dem Betrachter den Prozess nahe, der der Entwicklung eines Konzeptes oder eines Designs zugrunde liegt. Wir eröffnen einen Raum an Möglichkeiten, durchschreiten ihn und wählen zuletzt eine Perspektive, die dem Projekt entsprechend authentisch und originell ist.

UnDing //////////

Geliebtes, lautes Menschlichsein
mich Bekommt die Norm
nicht klein.
ich spiel, ich trink,
ich schrei, ich lach,
mir giert nach Liebe
Tag und Nacht.
Andersartig will ich sein,
die gute Form,
der schöne Schein?

Ode an die Individualität.
Wie steht es
um meine Loyalität?
Normen sind mir unbekannt,
Die Welt retten,
uninteressant?
Spannung schenk ich,
Spaß und Spiel,
alles andere wär zu viel.
ständig such ich im Gefecht
nach meinem
zweifelhaften Recht.

Ding //////////

Adjutant der Monotonie,
Handlanger der Norm
Generalisierte Sicherheit,
standardisierte Form.
Günstig bin ich,
eine Sprache spreche ich –
Norm.
Produkt der Industrie,
erspare Zeit,
erspare Geld.
Rettet meine Norm die Welt?
Verborgen, meine Qualität,
ignoriert wird meine Genialität.
Was bin ich nur, 
nicht gut nicht schlecht. 
Beständig bleibe ich zurecht – 
der Knecht.

Was ist nun gut was ist es nicht,
wer hält denn, was er euch verspricht?
Was braucht es für den schönen Schein?
Kann DING denn ohne UNDING sein?

Das Team: Thomas Bahr, Bettina Blei, Ana Chavez, Katharina Fischer, Ana Gatzionis, Georgia Gaye, Stefanie Katz, Julia Krayer, Lisa Langmantel, Ulrich Liesch, Julia Obermeier, Livia Rayeck

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Walter

Schriftfamilie
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Walter ist eine moderne Headlineschrift mit fünf verschiedenen Schnitten. Walter ist von Beginn an digital entstanden und basiert auf geometrischen Formen, die entsprechend der Buchstaben angepasst wurden. Das wesenartige Oldtimer Wohnmobil auf dem Hintergrundbild diente als Inspirationsquelle und Namensgeber.

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Ich
denk
Musik
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Sebastian Niklaus ist ein Singer/Songwriter aus Karlsruhe, der dieses Jahr sein erstes Album »Ich denk Musik« veröffentlicht hat. Für dieses Album gestaltete ich seine Kommunikationsmittel. Diese waren unter anderem sein Logo, die CD, Buttons, Poster und Flyer.

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Tumult im Wortreich

Lernspielkonzept
[BA-Thesis]
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Lesen und Schreiben ist in unserer Gesellschaft ein wichtiges Kulturgut. Die Schriftsprache zu beherrschen, ist jedoch nicht selbstverständlich. Während wir im Kindesalter mühelos und Wort für Wort sprechen lernen, bedarf es jahrelanger Übung und der Anweisung eines Lehrers, um die Schriftsprache zu erlernen. Manchen fällt es leicht, lesen und schreiben zu lernen, andere haben Schwierigkeiten damit, einige lernen es nie richtig. »Tumult im Wortreich« ist ein modulares Lernspiel für Jugendliche und Erwachsene mit Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Das modulare System berücksichtigt die Vielschichtigkeit der Lese-Rechtschreib-Schwäche und ermöglicht es jedem Betroffenen, an seinen individuellen Teilschwächen zu arbeiten. Das Basisspiel bildet den Rahmen des Spiels und erzählt die Geschichte. Dieses wird durch Teilspiele ergänzt, die von dem Spieler individuell zusammengestellt und erweitert werden können. Jedes Teilspiel thematisiert einen Bereich der Schriftsprache und ist so aufgebaut, dass die Spieler mit ihrem eigenen Wortschatz arbeiten müssen. Hierdurch wird garantiert, dass die Lernenden nicht über- oder unterfordert werden und Spieler unterschiedlichen Alters gemeinsam lernen und ihren Wortschatz erweitern können. Da vor allem Betroffene fortgeschrittenen Alters wenig Zeit haben und ihre Schwäche verbergen, ist es für das Spielkonzept wesentlich, dass die Betroffenen in einer vertrauten Umgebung spielen können. Dies, nach Wunsch, mit dem engen Freundes- und Verwandtenkreis oder selbstständig und alleine.

Der gestohlene Wortschatz

Der Wortschatz ist das kostbarste Gut des Reiches. Ohne ihn können sich die Bewohner des Wortreiches nicht mehr verständigen. Der machtbesessene Minister, Gorgum, hat den Wortschatz tief in den Wäldern versteckt, um die Bürger des Wortreiches zu unterdrücken und zu willenlosen Untertanen zu machen. Nur Gorgum weiß, wo der Wortschatz versteckt ist. Er besitzt eine verschlüsselte Schatzkarte, die ihm den Weg zeigt. Ein mutiger Bürger des Wortreiches konnte die Schatzkarte stehlen, doch niemand kann sie lesen. Helfen Sie den Bürgern des Wortreiches. Lösen Sie die Aufgaben, die Ihnen helfen, die Schatzkarte zu entschlüsseln. Sie verrät Ihnen das Passwort, das Sie brauchen, um den Wortschatz zu finden.

Die Schatzkarte

Ziel des Spiels ist es, ein verschlüsseltes Worträtsel zu lösen und das gesuchte Lösungswort herauszufinden. Jeder Spieler hat eine anders codierte »Schatzkarte«. Mittels der Schlüsselkarten, die man sich erspielt, kann der Code entschlüsselt werden. Durch das Entschlüsseln der Schatzkarte setzen sich die Spieler intensiv mit den Buchstabenbildern auseinander. Da es dem Zufall obliegt, welche Schlüsselkarte der Spieler zu welchem Zeitpunkt bekommt, hängt Gewinnen oder Verlieren bei diesem Spiel nicht nur von der Leistung, also der Schreibfähigkeiten ab.

Lese- und Schreibhilfen

Um den Spielern das Lesen zu erleichtern, gibt es für die Aktionskarten Schuber, die jeweils eine Zeile der Karte zeigen, sodass die Betroffenen nicht in den Zeilen verrutschen. Um das Lesen der Spielanleitung zu unterstützen, gibt es zum einen eine Hör-CD, zum anderen ein Leselineal, das wie bei den Schubern für die Aktionskarten nur eine Zeile offenlegt. Um den Spielern das Lösen der Aufgaben zu erleichtern, gibt es Buchstabenkarten, anhand derer die Spieler Wörter zusammenlegen und ausprobieren können. Die verwendete Schrift ist die Sylexiad, die speziell für Legastheniker entwickelt wurde.

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Cabaret Dada

Poesie des Alltags
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Die notwendige Störung des Gewohnten, Konfrontation mit einer weiteren Wirklichkeit – eine Herangehensweise zu mehr Kreativität und Flexibilität. Das Buch »Cabaret Dada – Poesie des Alltags« dokumentiert die Entwicklung eines Workshopkonzeptes für Kreative. Es werden die Idee des Konzeptes, der Ablauf des Workshops und ein Selbstversuch dargestellt. Konzept und Dokumentation entstanden im 5. Semester. Als Grundlage für die zu entwickelnde Strategie stellte ich folgende Anforderungen auf: / Genug von den Laboratorien für formale Gedanken! / Genug von Agenturen, die klassische Lösungen bieten! / Genug von geistloser Gestaltung! / Genug von Workshops, die theoretische Kreativtechniken predigen! Nach einer intensiven Recherche stieß ich auf die Ideen des Dadaismus und des Surrealismus und beschloss das Workshopkonzept anhand dieser Geistes- und Arbeitshaltung aufzubauen. Ansätze des Dada- und Surrealismus: / Die Auflehnung gegen die traditionelle Kunst, die mündige Gesellschaft, das Gewohnte. / Die Verschmelzung von Poesie und Gestaltung. / Die Freiheit im Umgang mit dem künstlerischen Metier, Freiheit in Materialverwertung und Technik. Ziel war es Welten zu verschieben, sich der Metaphorik zu bedienen und die Gesellschaft mit diesen ungewöhnlichen Arbeiten zu schockieren und aufzuwecken. Für den Kreativworkshop galt es, ein Konzept zu entwickeln, das den Schleier der Realität beiseiteschiebt und die Türe zum Unterbewusstsein öffnet, um auf eine surreale Welt zugreifen und daraus schöpfen zu können. »Cabaret DADA – Poesie des Alltags« ist ein experimenteller Kreativworkshop für berufstätige Gestalter, die fern von, Alltagstrott und Rechner, in der traumhaften Landschaft der Ardèche (in Frankreich) neue Welten und Blickwinkel entdecken wollen. In dieser Woche werden die Teilnehmer die Gedanken und Praktiken des Dadaismus/Surrealismus kennenlernen, mit der Poesie von Alltagsgegenständen experimentieren und dadurch neue Welten schaffen. Die Woche umfasst drei Aufgaben, die als Soirées gestaltet sind, das heißt, sie beginnen jeweils am vorigen Abend mit der Aufgabenstellung, sodass die Teilnehmer eine Nacht darüber schlafen können. Jede Soiree endet mit der Präsentation der Aufgabe und anschließenden Veranstaltungen wie Lesungen, Filmvorführungen oder Vorträgen.

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Think
big

feel
bigger
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Der Einfluss verschiedener Designdisziplinen auf die Prägung einer Gesellschaft hat in den vergangen Jahrzehnten enorm zugenommen. Modedesigner Formen unser Äußeres, Produktdesigner und Architekten unsere Umwelt und Kommunikationsdesigner unsere Art zu sehen und zu verstehen. Als Beobachter inspizieren wir die verschiedenen Systeme, sei es das gesellschaftliche, ein Produktsystem oder wissenschaftliche Erkenntnisse und philosophische Haltungen. Aus diesen Beobachtungen heraus gestalten wir Schnittstellen zwischen diesen Systemen, beispielsweise zwischen unserem Kunden und dessen Kunden, mit dem Ziel eine Thematik nahe zu bringen.

Mit dem Wissen, des stärker werdenden Einflusses unserer Profession, stellt sich dir Frage nach der Verantwortung, die damit aufkommt. Welche Haltung haben wir? Wem sind wir verpflichtet? Welche Schnittstellen wollen wir gestalten? Wie können wir unserer Verantwortung gerecht werden?

Diese Fragen stellten wir uns im 6. Semester unter dem Motto »Think big – feel bigger«. Zu Beginn des Projektes gab es einige Themenbereiche zur Auswahl, die allesamt um das Thema Nachhaltigkeit und Verantwortung in dieser Gesellschaft kreisten.

Im Zuge dieser Aufgabe setzte ich mich mit dem Thema »Guerilla Gardening« auseinander. Guerilla Gardening bezeichnet die Besetzung von Land, dass jemand anderem gehört. Die Bewegung entstand in den 70ger Jahren in New York. Dort bemerkte eine kleine Gruppe engagierter Bürger, dass Tomaten auf einer verwahrlosten Fläche autonom wachsen konnten. Dies motivierte die Bürger, auf diesen Brachflächen Gemeinschaftsgärten anzulegen, die das Viertel verschönerten, und, von der Wirtschaft unabhängige, Nahrungsmittel bot. Die neue Aufgabe, schaffte ein neues Gefühl von Selbstwert, Autonomie und Gemeinschaft. Der Gedanke des Guerilla Gardenings ist nicht neu, er besteht vermutlich seit der Einführung des Besitztums. Seit den ersten Gemeinschaftsgärten in New York gibt es derartige Projekte überall auf der Welt.

Die Gründe für die Besetzung fremden Landes können unterschiedlicher nicht sein, manche gärtnern um ihr Überleben, andere für die Verschönerung ihres Umfeldes, allen gemein ist die Kritik an ungerechter Landverteilung.

In meiner Arbeit zielte ich darauf ab die Geschichte und die unterschiedlichen Motivationen zu visualisieren und zu vermitteln. Zudem recherchierte ich nach weiteren Gartenmodellen, die dazu dienen, Land gerecht zu verteilen, die Natur wieder zurück in die Stadt zu holen und unsere Klimaveränderung positiv zu beeinflussen.
Entstanden sind zehn A1 Doppelseiten, die als eigenständige Poster aber auch in Buchform Missstände aufdecken, Gerechtigkeit hinterfragen und die Werte des Guerilla Gardening vermitteln.

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Schatten-
raum


Schatten-
traum
Urfigur des Unbewussten
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Der Schatten gilt seit Carl Gustav Jungs Entwicklung der Analytischen Psychologie (1913) als Urbild des menschlichen Vorstellungsmusters. Diese Urbilder beeinflussen und strukturieren das Bewusstsein. Sie beruhen auf Urerfahrungen der Menschheit wie Geburt, Kindheit und Tod. C. G. Jung beschreibt in seinem Individuationsprozess die Zusammenführung von »Persona« und »Schatten« zu einem »Selbst«, also der Ganzheit des Individuums unter der Berücksichtigung gesellschaftlicher Konventionen. Die Persona steht hier für die Maske, die sich der Mensch aufsetzt als Kompromiss zwischen den äußeren Anforderungen und den inneren Bedürfnissen. Der Schatten steht für all das, was wir in diesem Kompromiss nicht unterbringen können – Charakterzüge und Wünsche, die von der Gesellschaft nicht geduldet werden. Der Schatten steht also für das vermeintlich Negative in uns und soll verdrängt werden. Um jedoch zu dem eigenen Selbst – also zu der bewussten, individuellen Persönlichkeit – zu finden, müssen die Gegensätze Persona und Schatten vereint und bewusst wahrgenommen werden.

»Bleibt der Schatten unbewusst, so ist ihm der Mensch in viel höherem Maße ausgeliefert, und er kann leicht zum Werkzeug des Bösen werden.« C. G. Jung

Mit dem Projekt »Schattenraum – Schattentraum« versuchte ich dem Schatten – der verschmähten Schatzkiste unseres individuellen Selbst – spielerisch und experimentell auf den Grund zu gehen. Mein Ziel war es, den Schatten von seinem negativen Klischee zu entbinden, ihn auf einer abstrakten, surrealen Ebene zu isolieren, um eine, vom Umfeld unabhängige, Auseinandersetzung zu ermöglichen. Entstanden sind zwei Bücher, die diesen Prozess in zwei Ebenen gliedern.

Das Buch »Schattenraum« entbindet den Schatten durch seine erzählerische und grafische Form von seinem negativen Klischee. Der eigene Schatten, als individualisierender Teil der Persönlichkeit, soll thematisiert und angenommen werden. Die Bilder sind narrativ angeordnet, sie nehmen den Betrachter mit in das Leben des Schattenwesens und zeigen seinen Individuationsprozess. Der Mittelteil des Buches leitet den Prozess des Selbstwerdens ein. Als einzige Farbfotografien verbinden sie die reale und surreale Welt.

Im zweiten Teil »Schattentraum« wird der Schatten gänzlich von seinen Bedeutungen getrennt, indem er auf grafische Elemente reduziert wird. Er kann neu erfunden und aus anderen Blickwinkeln betrachtet werden. Auf dieser abstrakten Ebene gibt es keine Angst mehr vor dem eigenen Schatten, er wird zum Objekt und der Mensch kann objektiv Selbst werden.

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Schwarz

Typografie im Raum
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»Schwarz ist der Tag.
Täglich sehe ich Schwarz.

Schwarz ist der Tod.

Schwarz ist auch dunkel der Tag.
Schwarz ist auch dumm.
Schwarz ist der Farbe hell es Gold
Schwarz ist auch dunkel.«
[Ernst Herbeck]

Inszenierung von Sarah Krebietke und Stefanie Katz

Im Wintersemester 09/10 inszenierten 10 Studenten des 5. und 6. Semesters unter der Leitung von Malte Matin – selbstständiger Gestalter aus Paris – und Prof. Judith Grieshaber – Professorin des Studienganges Kommunikationsdesign in Konstanz – Sprache im Raum. Grundlage der Arbeiten waren abstrakte Gedichte von Ernst Herbeck, die die Studenten alleine oder in Zweiergruppen in einem von ihnen ausgewählten und zum Gedicht passenden Raum typografisch interpretierten. Raum steht hier stellvertretend für einen Ort, also nicht nur Innen-, sondern auch Außenraum. Der Kern des Workshops galt dem Versuch, einen sinnvollen und verständlichen Zusammenhang zwischen Raum, Gedicht und grafischer Inszenierung zu schaffen.

Schwarz ist alles und nichts. Es hat Bedeutung, wertet aber nicht. Als Farbe des Schreibens transportiert es Botschaften aber interpretiert sie nicht. Schwarz findet sich in allem wieder – nahezu jede natürliche Farbe hat einen Schwarzanteil.

Um unsere Interpretation von »Schwarz« zu inszenieren, suchten wir uns einen Ort, an dem nahezu alle Elemente aufeinandertrafen. Ein Ort, der die Vielschichtigkeit des Gedichtes sowie der Farbe/Nichtfarbe widerspiegelte. Um die unterschiedlichen Ebenen von Schwarz darzustellen, installierten wir das Wort Schwarz spiegelverkehrt an einem, über das Flussbecken ragenden Baum, sodass das lesbare Spiegelbild auf der Wasseroberfläche, den Blick in die Tiefe zog. Die gespannten Schnüre vernetzten einzelne Elemente, die sich am Flussbett befanden, um zu verdeutlichen, dass Schwarz in allem zu finden ist. Sie spiegelten sich ebenfalls im Wasser und erzeugten, durch ihre Zielführung in die Ferne und ihr Spiegelbild, eine mehrdimensionale Tiefe.

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Friederike Anselm

Schriftentwurf
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»Friederike-Anselm« [FA] ist ein Entwurf, der sich an den kontrastreichen Formen der gebrochenen Schriften orientiert. Die ersten Skizzen entstanden bereits im dritten Semester mit Feder und Tusche. Mit diesen Entwürfen bewarb ich mich bei Kurt Weidemann mit dem Ziel, mehr über die Kriterien der Schriftgestaltung zu erfahren. Die FA wurde für mich zu einer Lernschrift, anhand derer ich die Hilfestellungen und Ratschläge von Kurt Weidemann ausprobieren, üben und hinterfragen konnte.

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S-Line

Mein kleines Hobby
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Als Autodidakt nähe ich gerne in meiner Freizeit. Hierbei liegt für mich der Reiz darin, selbst herauszufinden, wie die einzelnen Teile gestaltet und zusammengesetzt sein müssen, damit am Ende die vorgesehene Form entsteht. Das Spiel zwischen Farbe, Muster und Beschaffenheit fasziniert mich sehr. Über dieses Hobby entdeckte ich auch die Faszination für illustrative Arbeiten mit verschiedenen Fäden und Stoffen.

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 Hallo 


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 am besten navigiert ihr 


 mit den Pfeiltasten. 

herz

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